Sauce Hollondaise

In den letzten Wochen wurde ich immer wieder gefragt, warum ich die Franzosen nicht mag. Technisch gesehen muss das eine rhetorische Frage sein. Ich meine, ganz ehrlich, welcher gute Deutsche mag die Franzosen? Traditionell ist das der Erbfeind. Und bevor die Menschen hier Rassismus rufen – mit Rassismus hat ein gesunder Franzosenhass nichts zu tun. Es ist eher ein deutsches Kulturgut, welches ich stolz hochhalte. Gibt es dafür gute Gründe? Vielleicht. Jeder stolze, ehrliche Nazi prescht gleich mit der Versailler Friedensverträge vor. Gut, jeder stolze, ehrliche Nazi ist auch Idiot. Sonst wäre er ja kein stolzer, ehrlicher Nazi. Wenn man die drei Begriffe Intelligenz, Ehrlichkeit und Nazi untersucht, fällt auf, dass ein Mensch nie alles drei gleichzeitig sein kann: ist er ehrlich und Nazi, dann ist er nicht intelligent. Ist er ehrlich und intelligent, dann ist er kein Nazi und und ist er intelligent und Nazi, dann ist er nicht ehrlich. Aber ich war ja bei den Versailler Verträgen. Ich spreche dabei in der Mehrzahl, weil es mehrere gibt und für unsere Geschichte zwei interessant sind: der von 1871 und der von 1919. Aber ein echter Deutscher muss sich nicht auf eine menschenverachtende Ideologie und Propagandamaschine wie den Nationalsozialismus berufen, um eine sympathische Antipathie gegen den Franzosen zu entwickeln. Es reicht, Frankreich ernst zu nehmen (wen man das kann). Jean Giraudoux hat einmal gesagt: „Die Bestimmung Frankreichs ist es, der Welt lästig zu fallen.“ Wer bin ich, dass ich dem großen Giraudoux widerspreche? Und Frankreich fällt uns Deutschen schon sehr lästig. Nicht nur im ewigen Streit um Elsass-Lothringen (zu wem gehört das aktuell? Hab da ein wenig die Orientierung verloren..), sondern auch in seiner Art. Versuch da mal auf Deutsch oder Englisch ein nettes Essen zu bestellen, du bekommst immer Froschschenkel. Oder Baguette. Oder Froschschenkelbaguette. Mit Käse. Und Wein.

Und auch in der EU-Politik zeigt sich mal wieder, dass der Franzose und der Deutsche nicht so gut kann. Vielleicht kann aber Hollande auch nur nicht mir Merkel. Und wer kann ihm das schon verdenken? Aber wen macht das dann sympathischer? Merkel? Ich bitte euch! Und Hollande? Auch nicht.

Was bleibt also zur Krisenbewältigung? Die beiden führenden Nationen Europas gehen also wiedermal auf Konfrontationskurs. Merkel als konservativ schwäbisches Sparschwein will am liebsten, dass alle Schuldenländer ihr Geld zusammenhalten, um zunächst ihre Schulden bezahlen zu können. Verstehe, die Länder, die völlig überschuldet sind, sollen das Geld nicht sinnlos verplempern. Deutschland hat ja gerade mal zwei Billionen Euro Schulden und gibt sein Geld dafür aus, um Ministern einen Posten zu verschaffen, damit die Teppiche aus Afghanistan verniebeln können. Oder was ist mit dem von Steuergeldern finanziertem Förderprogramm zur Züchtung von bunten Biomöhren in weiß, rot, gelb und violett? 230.000 Euro hat der aktuelle Bundeshaushalt dafür vorgesehen. Nicht zu vergessen 170.000 Euro für die Außenbeleuchtung von Shell-Tankstellen oder 135.000 Euro für die Erforschung, wie man Gummi aus kaukasischem Löwenzahn ertragreicher zu machen. Glaubt ihr, ich denke mir das aus? Ich wünschte, es wäre so. Aber diese Posten stehen im bereits abgesegneten Haushaltsentwurf für 2013.

Auf der anderen Seite haben wir François Hollande, der alte Sozialist. Er hat mal gesagt, er sei für ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeit, der verschiedenen Kreise. Und er setzt es ja durch. Von Griechenland verlangte er zuletzt unabdingbare Anstrengungen, während er selbst es nicht mal für nötig hält, sein Wahlversprechen gegenüber den Roma einzulösen und gegen die Abschiebepraktiken vorzugehen, die Sarkozy so hitlerianisch durchgezogen hat. Nein, im August gab es weiter Verhaftungen und Abschiebungen nach bewährtem Rezept. Frankreich und Deutschland sind sich gar nicht so unähnlich: ihre Führer bescheißen sie von vorn und von hinten.

Aber genau das ist es, was wir ändern müssen. Ich will nicht wie ein Franzose von meiner Regierungschefin verarscht werden. Und da eine militärische Intervention gegen Frankreich zwar sehr erfolgsversprechend, aber politisch doch eher suboptimal ist, aufgrund der ganze EU- und Friedenssache, was schade ist, aber leider nicht zu ändern, müssen wir eben auf andere Mittel zurückgreifen. Wir müssen Merkel abwählen. Innenpolitisch macht das keinen großen Unterschied. Außenpolitisch brauchen wir uns dann nicht mehr als Schweden auszugeben. Der Deutsche kann wieder stolz sein. Er muss sich nicht mehr verstecken und um Verzeihung bitten für die abstrusen Vorschläge seiner Regierung. Wenn wir erstmal die Merkel abgewählt haben kann der Deutsche wieder seinem ironischen Rassismus gegen Frankreich fröhnen und muss nicht mehr peinlich berüht reagieren, wenn Samstag Abend der Moderator von Wetten dass…!? in einem Jutesack um Tom Hanks herumhüpft.

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