Alle Jahre wieder – Teil 2 … sort of

Eigentlich wollte ich einen zweiten Jahresrückblick schreiben, aber ganz ehrlich, allein der Januar 2013 ist ja an Realsatire nicht mehr zu überbieten. Du kommst nicht mehr mit. Soll ich jetzt Monatsrückblicke anbieten oder was? Liebe Leute aus Regierung und Gesellschaft: Macht es mir doch nicht so schwer, ich kann mir nicht alles merken, was so passiert.

Fangen wir heute mal mit etwas an, was ich normalerweise nicht mal im Fernsehen anschaue: dem Sport. Genauer mit dem Radsport und der Dopingbeichte von Lance Armstrong, dem ersten Jazzmusiker auf dem Mond. Der Mann saß also beim Phantom der Oprah und hat auf die Frage, ob er gedopt hat mit „Ja!“ geantwortet. Mensch, Lance, alter Junge, erzähl doch mal was Neues. Jeder wusste, dass du gedopt hast, dein Trainer wusste es, der Radsportverein, der dir sämtliche Titel aberkannt hat, wusste es, dein Hund und deine Katze wussten es, wir alle wussten es. Aber du gibst dich überrascht, dass das Geständnis niemanden schockiert? Ja, kündigst an, dass du in den Profiradsport zurückkehren und wieder Titel gewinnen willst. Du hast deine lebenslange Sperre als Todesstrafe für deine Karriere bezeichnet und sie als ungerecht deklariert. Lance, mein Freund und Bruder im Hoden, auch wenn du für deine Titel gedopt hast, die Drogen brauchst du dir nicht mehr spritzen, du kannst jetzt damit aufhören. Vor allem bevor du öffentlich Unsinn redest, solltest du nicht mehr high von dem Zeug sein. EPO ist vielleicht gut für die Muskeln, nicht fürs Gehirn. Aber wem sag ich das? Du kennst dich ja bestens damit aus.

Apropos Unsinn reden, kommen wir zu meinem Lieblingsthema der letzten Tage: die FDP und ihr letzter Kreuzzug. Morgen ist die Wahl in Niedersachsen und Philipp Rösler möchte seine Position in der Partei nicht von deren Ausgang abhängig machen. Fipsi, du solltest nicht so oft mit dem Lance um die Häuser ziehen. Rösler klebt an seinem Posten wie die Merkel im Kanzleramt, nur hat er nicht das politische Gewicht, um das Sägen an seinem Stuhl durch Masse auszugleichen. Seine Basis verbrüderlet sich schon mit einem anderem und fürchtet gleichzeitig um den Einzug in den niedersächsischen Landtag. Es wird knapp für eine schwarz-gelbe Mehrheit, besonders dann, wenn gelb nicht mehr existiert. Wobei, das kümmert die CDU auf Bundesebene ja auch nicht. Nehmen wir doch mal die Praxisgebühr. Wir alle freuen und, dass sie weg ist. Sie hat ihren Zweck verfehlt, dass weniger Menschen zum Arzt gehen, sie hat die Krankenkassen so reich gemacht, dass sie darüber nachdenken, das Geld an ihre Versicherten zurückzugeben (irgendwo in der Ferne jault ein liberaler Gelbschnauzenwolf den finanzkapitalistischen Mond an) und sie hat für mehr Bürokratie gesorgt als die Suche nach dem Passierschein A38. Also weg damit. Und weil die FDP die Idee auf den Fluren des Bundestages als Erstes von einem Wähler aufschnappte, brachte sie diesen Vorschlag ein und ZACK wurde er auch einstimmig beschlossen. Was für ein Wahlgeschenk … von der FDP an die FDP. Aber war es das? Nein, die Umfragewerte liegen weiterhin im Keller. Wir Wähler sind nämlich gar nicht so doch, wie wir manchmal abstimmen. Wir haben natürlich gemerkt, dass das Gesetz zur Abschaffung einstimmig beschlossen wurde. Als das letzte Mal alle so geschlossen hinter einem Politiker standen, wurde gerade vorsichtig angefragt, ob denn ein totaler Krieg im Bereich des Wunschdenkens der propagandistisch vorbereiteten Bevölkerung sei. Also alle Parteien waren sich einig, aber die FDP will die Lorbeeren dafür. Wegen der Idee. Hey, ich hatte auch die Idee, die Gebühr abzuschaffen und ich weiß auch noch genau wann: an dem Tag, als ich sie zum ersten Mal zahlen musste. Also bekomm ich ja wohl mal das Lob und nicht so ein Möchtegernasiate mit liberalem Größenwahn (ich hab nichts gegen Asiaten, die können ja schließlich auch nichts für unseren Fipsi). Naja, unser gelber Klassensprecher stellt sich also jetzt hin und gibt sich siegessicher. 5,1 % möchte er in Niedersachsen einfahren. Vielleicht meint er damit aber auch nur seinen Blutalkoholwert nach den ersten Hochrechnungen. Naja, unser Kasper des Dreikönigstreffens teilt auch lieber aus. Das neue Steuerkonzept der SPD soll eine Showveranstaltung sein. Soso. Ob er wohl wusste, dass die FDP genau das Gleiche über seinen Führungsstil sagt?

Kommen wir mal zum roten Ende des politischen Spektrums. Und nein, ich meine nicht die Linken. Die sind … ähm auch da, irgendwie. Die Linken sind wie kleine Kinder auf einem 30sten Geburtstag: vorhanden und ein bisschen lästig, aber keine ernsthafte Bedrohung für dein Ziel, dich hemmungslos zu betrinken – auch nicht, wenn es deine eigenen Kinder sind. Nein, ich meinte eher die SPD. Sie hat kurz vor Weihnachten noch einen herben Verlust hinnehmen müssen. Peter Struck war mir persönlich immer sehr sympathisch, eben weil er sich politisch nicht so ganz korrekt ausgedrückt hat. Unvergessen seine Aussage zu Angela Merkel und die Union: „Die kann mich mal.“ Ein würdiger Nachfolger von Struck ist Steinbrück. Der Mann ist allerdings, ich möchte es mal vorsichtig ausdrücken, nicht unbedingt geschickt, was Zeit und Thema seiner gesellschaftlichen Debatten angeht. Kaum wird er als Kanzlerkandidat gekürt, beginnt er eine Debatte über das Bundeskanzlergehalt. Nun gut, im Grunde ging es darum, ob Politiker zu wenig verdienen und als Beispiel wurde ihm der Bundeskanzler aus der Nase gezogen, aber das will ja keiner hören. BILD und Bunte wollen ja weiter Mutti menscheln lassen, die Frau, die die erste Helmut Kohl werden will. Steinbrück hat gar nicht gesagt, dass er mehr Geld als Bundeskanzler will, sondern dass ein Bundeskanzler im Vergleich zu seiner Arbeit zu wenig verdient. Das ist ein Unterschied. Und was soll daran falsch sein? Er hat doch recht. Ich als Steuerzahlen möchte doch von einem Menschen gegängelt werden, der ordentlich bezahlt wird und nicht wichtigen Debatten über Grundrechte fernbleibt, weil er mit einem 08/15 aus der Retorte das Zehnfache verdient. Politiker in hohen Ämtern tragen nun mal leider die Verantwortung für unseren Staat. Und wir sehen doch, wie viel Mist sie Tag für Tag produzieren. Allein die Ideen von Kristina Schröder reichten aus, um ein kleines Land ruinieren zu können. Ernsthaft, die Frau sieht nicht nur aus als wäre sie aus dem Abitur direkt in den Mutterschutz und dann in die politischen Federbetten gehüpft, es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass sie nie das Leben derer erlebt hat, deren Ministerin sie jetzt ist. Die Frau ist 5 Jahre älter als ich und schon Bundesministerin. Ich würde mir noch nicht mal zutrauen Verantwortung für eine Kindergartenklasse zu übernehmen und sie leitet … naja, steht einem Ministerium vor. Auf Bundesebene! Ihr Stab muss doch noch jeden Tag mit ihr die Teletubbies gucken und sicherstellen, dass ein warmer Kakao bei ihr auf dem Tisch steht, damit sie sich nicht auf den Boden wirft und weint … Aber ich war ja bei Steinbrück. Peer, Peer, Peer, mein Lieber. Du machst es einen aber auch nicht leicht. Ich meine, dass die SPD Angst vor der Regierungsverantwortung hat, weil sie fürchtet, dass wieder so ein unsozialer Müll wie Hartz IV herauskommt, kann ich ja noch verstehen. Aber muss es denn so offensichtlich sein? Die Inkompetenz der FDP, die Realitätsferne der CSU und der soziale Blindflug der CDU lassen euch einen Landtag nach dem anderen zufallen. Klar, dass ihr die Hosen voll habt. Aber ihr schießt auch immer mit Kanonen auf Spatzen. Erst Sarrazin, dann Steinbrück. Geht doch mal subtiler vor. Von Mutti lernen, heißt siegen lernen.

Schon wieder so lang geworden, meine Fresse. Und ein Thema hab ich noch frisch vom Bäcker. Thomas de Maizière, bekannt als das merkelsche Schweizer Taschenmesser und höchster Verteidiger des Landes vor … ja wovor eigentlich? Es sterben mehr Soldaten durch Selbstmord aufgrund posttraumatischen Stresses als durch feindliche Kugeln und Bomben. Vielleicht verteidigt er die Bundesregierung vor den gefährlichen Auswirkungen des gesunden Menschenverstandes. Und Lance Armstrong war der Klassenprimus. Jedenfalls hat General MacGyver sich beschwert, dass die deutschen Soldaten lieber bei Mama zu Hause wohnen wollen, würden als sich auf das Abenteuer des Auslandeinsatzes zu begeben und fremde Länder zu entdecken, unbekannte Menschen und neue Zivilisationen. Viele Kilometer von der Heimat entfernt dringt der Soldat in Kriegsgebiete vor, die noch nie ein Talibanese zuvor überlebt hat. Oder um bei Tommi zu bleiben: „Ich würde mir wünschen, dass es mehr Interesse für das Unbekannte gibt als Sehnsucht nach dem Hotel Mama“ Ist der Mann noch ganz sauber? Er beschwert sich, dass die Soldaten nicht laut Hurra schreien, wenn sie in Gebiete geschickt werden, in denen hinter jeder Ecke ein Selbstmordattentäter lauern kann? Wo jeder Schritt auf einer Mine enden könnte? Wo die Menschen so verzweifelt sind, dass sie keine andere Wahl haben, als sich in die Lust zu sprengen, damit die Familie zu Hause irgendwie von einer terroristischen Organisation ernährt wird? Das große Unbekannte, was de Maizière so euphemistisch umschreibt, ist der Tod. Tretet der Armee bei, lernt fremde Länder kennen und sterbt da? Das Krisengebiet als Abenteuerspielplatz. Eins, zwei, drei, vier, Eckstein, alles muss verreckt sein. Es ist unglaublich, wie unsensibel der Mann mit den Ängsten seiner Untergebenen umgeht. Aber was will man von einem Menschen erwarten, der noch weniger Angriffsfläche bietet als das soziale Gewissen seiner eigenen Partei?

So, das war nur der Januar. Und wir haben noch 12 Tage vor uns. Ich fürchte, ich muss diese Rückblicke alle zwei Wochen durchführen. Sonst werden die Texte hier einfach zu lang.

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