Schön zu – Die Kunst des Krieges

Nichts unterscheidet die Völker der Erde so sehr wie die Kunst des Krieges. Es gibt Nationen, die sich in dieser Form der Sympathiebekundung hervorgetan haben, wie etwa die Chinesen oder Japaner und anderes asiatisches Gevölk. Ehre auf dem Schlachtfeld, für Familie und Reisfeld. Verwegen stürzen sie sich in Harakiri, Kamikaze und Suzuki stets darauf bedacht, den Feind durch Ehre und zahlenmäßige Überlegenheit zu überrollen. Das einzelne Leben zählt nicht viel – Nachschub gibt es in Massen. Und so fallen Heerscharen in andere Länder ein und um. Bis eine Idee entwickelt werden sollte, die noch Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts dem Streben nach außen ein Ende setzen sollte. Kaiser Be Ton aus der Le-Go Dynastie verkündete, das niemand die Absicht habe, eine Mauer zu bauen und setzte diese Absicht dann auch prompt in die Tat um. Dass Chinesen im Gegensatz zum z. B. Deutschen wahrhaft große Baumeister sind, erkennt man daran, dass ihre Mauer noch heute steht.
Wenden wir unsere Blick Gen Osten, zunächst gen Italien. Die alten Römer unterwarfen mit einer einfachen Methode halb Europa und Afrika: Inklusion und Integration. Kurz nach gewonnener Schlacht ernannten sie ihre ehemaligen Feinde kurzerhand zu Bürgern des Römischen Reiches mit allen Rechten und Pflichten. Eine der Pflicht war nun aber, die eigenen Leute nicht anzugreifen. Friendly Fire und in Kauf zu nehmende Kollateralschäden sollten erst später erfunden werden. So saßen nun also geschlagene germanische Generäle im heimischen Wohnzimmer und verfluchten ihren Römertopf. Von Cäsar über Augustus, von Hadrian über Tiberius sollten die Probleme eines typischen Berliner Problembezirks in fast allen Ländern Europas verschwinden, denn die Römer sagten: Rom muss mit einer Stimme sprechen. Dieser Satz sollte in die Geschichte eingehen und von einer kleinen, machtbesessenen Propagandaglucke mit dem Nachsatz: “Mit meiner!“ vervollständigt werden.
Während die Jahrhunderte vergingen und Europa unter der Knute des Christentums zu leiden hatte, entwickelten sich Binnenkriegsnationen, die mehr oder weniger Erfolg in dieser ehrwürdigen Kunst entwickelten.

Auf einer kleinen Insel, die von schlechtem Essen, viel Regen und jahrhundertewährenden Inzest geprägt wurde, entwickelte sich langsam die Vorstellung, dass der nächste Festlandnachbar ein Haufen ungewaschener Winzer seien, die ihre ästhetischen Vorlieben der Welt aufzwingen wollen und dabei eine Sprache sprechen, die eine Rolle Charmin-Klopapier wie einen groben Schleifstein wirken lässt – wohlgemerkt: diese Haltung entwickelte sich lange, bevor das Charmin-Klopapier erfunden wurde. Die Briten führten eigentlich nie wirklich Krieg, sondern ärgerten ihre französischen Nachbarn eigentlich nur ein bisschen, weil die sich immer so schön aufregten, die Barrikaden erstürmten und dann wieder zum Alltag zurückkehrten. Dieses Muster sollte bezeichnend werden. Bis heute haben die Franzosen keinen einzigen Krieg gewonnen, ohne Hilfe von außen in Anspruch nehmen zu müssen. Sogar Napoleon Bonaparte war ein halber Italiener. Frankreich entwickelte ein absolutistisches System, das absolut nicht in der Lage war, so Krieg zu führen, dass diese Bezeichnung Gültigkeit besitzen würde. Nicht einmal gegen sich selbst. Nach der Erstürmung der Bastille durch die Pariser Bürger und der konsequenten Abschaffung der Monarchie wurde mal wieder oder zum ersten Mal eine Republik ausgerufen. Diese wandte sich kurz darauf gegen ihre eigene Bevölkerung, sodass der Franzose ob des gescheiterten Experiments in Selbstbestimmung wie ein geprügelter Hund zur Monarchie zurückkehrte. Man würde meinen, sie hätten daraus gelernt, aber dieses Muster sollte sich wiederholen. Zwischendurch gab es Überfälle von rechts und von links, ein kurzes Aufbäumen, als ein kleiner Mann mit großen Komplexen die männliche Bevölkerung Frankreichs als Kanonenfutter gebraucht hat – aber im Grunde hatten die Franzosen kein Kriegsglück. Noch heute dominieren in den Nachrichten Sätze wie „Der Irak erklärte der Türkei den Krieg. Frankreich ergab sich nach 10 Minuten.“

Ein anderes europäisches Volk führt Krieg auf gewohnte effiziente und pünktliche Weise. Der Deutsche ist kein Mensch von Verschleppung und Verzögerung – es sei denn, man möchte einen Flughafen bauen. In der Regel zeichnet sich ein echter Germane durch Fleiß, Effizienz und Gründlichkeit aus. Ist der Gegner zahlenmäßig überlegen oder kommt er von allen Seiten, dann kämpft der Germane bis zum Letzten, also bis zum Feierabend. Ob eine Schlacht oder ein Krieg gewonnen ist, entscheidet der Deutsche nach Aktenlage. Sobald ein gewissen Quotienten von Kosten und Nutzen erreicht ist, erklärt der Deutsche den Krieg als beendet und sich als Sieger. Es kann durchaus vorkommen, dass sich die Auseinandersetzung noch einige Jahre hinzieht, aber das ist dem Deutschen dann egal. Er sagt sich: ‚Prinzipiell haben wir gewonnen. Aber jetzt kommt die Sportschau und da will ich gefälligst nicht gestört werden.‘ 1942 in Stalingrad siegte nicht die Rote Armee, sondern die Wehrmacht. Nur hat niemand das den Russen mitgeteilt, sodass diese noch stundenlang auf unsere Soldaten schoss, während diese bereits Überstunden abbauten und sich mit Gewerkschaftsvertretern über Ausgleichsbedingungen und Lohnfortzahlung im Verkrüppelungsfall unterhielten.

Man kann eine kurze Geschichte des Krieges nicht erzählen, ohne über den großen Teich zu schauen. Der Amerikaner ist noch nicht sehr lange auf dieser Welt und benimmt sich aus diesem Grund auch noch wie ein Grundschulrowdy, der seinen intellektuelleren Mitschülern das Milchgeld klaut. Allerdings handelt der Amerikaner stets in guter Absicht und pflastert mit diesen einen bequemen Weg in die Hölle. Die USA sind der irrigen Meinung, sie hätten die Werte der Welt gebunkert und müssten diese nun auch in die Länder tragen, die sie entwickelt haben. Der Ansatz ist an sich nicht schlecht, aber in den letzten Jahrzehnten hapert es gewaltig an der Umsetzung. Während anfangs die Begeisterung über eine mögliche amerikanische Invasion ein Land in völlige Kampfunfähigkeit stürzen konnte, ist es heute doch eher so, dass sich unsere mutigen amerikanischen Freunde wieder und wieder eine blutige Nase holen. Das Problem besteht darin, dass der Amerikaner im Großen und Ganzen immer nur gegen sich selbst oder die westliche Welt gekämpft hat. Das Abendland, also wir, hat irgendwann begriffen, dass man die USA einfach ertragen muss wie eine Erkältung: sie kommt, bleibt und geht auch wieder von ganz alleine. Zwischendurch fühlt manch sich beschissen, aber hinterher geht man gestärkt aus der Sache hervor und kann das imperialistische Zwischenspiel als Lernchance begreifen. Dumm nur, dass es die USA mehr und mehr in Gebiete zieht, die sich nicht durch stoische Pragmatik auszeichnen. Der Nahe Osten und andere muslimische Staaten sehen die Werteinvasion der Amerikaner nicht ganz so entspannt. Warum sollten sie auch? Sie haben eigene Werte und eine eigene Geschichte, die die der USA um ein Vielfaches übertrifft. Es kommt also der bockige Teenager zum Großvater und erklärt ihm, wie er in Zukunft zu scheißen hat.

Die muslimischen Länder sind, wie die Chinesen, Großmeister der Kriegskunst. Ganze Imperien wurden erbaut, vernichtet, verbündet und vergessen. Meistens machen sie ihre Grenzstreitigkeiten, religiösen Interpretationen und Kamelverhandlungen unter sich aus. Ehre im Jenseits mit 72 Jungfrauen – was auf eine Ewigkeit hochgerechnet allerdings auch nicht allzu viel ist. An dieser Stelle hätte ich allgemein ein paar Verständnisfragen. Jungfrauen sind die Damen ja nur vor dem ersten Mal. Muss ich sie selbst anlernen? Muss ich die gebrauchten Frauen dann wegwerfen oder kann ich die recyceln? Wie alt sind diese Jungfrauen überhaupt? Da die wenigsten muslimischen Helden wohl der Priesterschaft der katholischen Kirche angehören, ist diese Frage von entscheidender Bedeutung. Was ist mit Frauen, die als Märtyrerinnen sterben? Was bekommen die? Jungfrauenmänner? Das ganze Konzept scheint mir nicht wohl durchdacht – aber wenn es für die Männer funktioniert, wer bin ich, dass ich das infrage stellen sollte?

Der Mensch wird immer wieder einen Grund finden, sich gegenseitig abzuschlachten. Oft geht es um ein Stückchen Erde, manchmal um den besten unsichtbaren Freund, die Ehre der Mutter, Schwester oder Tante (was in manchen Fällen ein und dieselbe Person sein kann). Aber eigentlich geht es doch immer darum, wer den größten Schwanz hat. Und darum sind die Asiaten auch die besten Krieger.

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