Über den Wolken, unter dem Radar

Kaum jemand hat es mitbekommen. Und doch wäre es fast passiert: Merkels Hubschrauber wäre beinahe abgestürzt. Hä? höre ich euch sagen. Die ganzen letzten Wochen war Ruhe auf der Seite, während die Politik weiter das Volk verarscht und jetzt schreibt er über Merkels Beinahe-Absturz? Ja, klar. Einfache Sache: der Absturz unserer Bundesäbtissin ist nur ein Symbol für den Absturz der CDU-Regierung. Auch Westerwelles atomgelbe Wirtschaftspartei hat da ihren Anspruch und schmiert sogar noch schneller ab als Lech Kaschinskiys Präsidentenmaschine. Aber was soll man denn groß schreiben? Über zu Guttenbergs Rücktritt? Der war nur eine Frage der Zeit, auch wenn seine Unterstützer diesen für überzogen hielten. Karl-Theodor hat in seiner Doktorarbeit plagiiert und betrogen. So what? Ist das nicht Eintrittsvorraussetzung in die CSU, neben einem hohen Leberwert und niedrigem IQ? Nein, darüber schreibe ich nichts. Warum? Weil der Mann ein Betrüger ist. Punkt. Er hat gelogen, beschissen und uns für dumm verkauft. Merkel hat fleißig dabei geholfen und Seehofer gar nicht erst verstanden worum es geht. Bei so viel Realsatire braucht man nichts hinzufügen.

Was noch? Die Regierungshaltung zur Atompolitik nach Fukushima? Auch da wäre ein weiterer Text überflüssig. Das Moratorium ist Wahlkampfgeplänkel mehr nicht. Nach den Landtagswahlen melden sich RWE, Vattenfall und Co. und die Nasen von Berlin holen meinen Lieblingssatz hervor: „Man dürfe sich doch nicht von der Stimmung im Lande beeindrucken lassen.“ Finde ich immer wieder toll, wie unsere vom Volk gewählte Regierung die Interessen des Volkes ignoriert und dabei ur-demokratische Ideen, wie Mitbestimmung links liegen lässt. Demokratie kommt ja bekanntermaßen aus dem griechischen von „demos“ für Volk und „kratia“ für Herrschaft, also „Volksherrschaft“. Nur: in unserer Volksherrschaft wird das Volk außen vor gelassen und die Herrschaften machen, was sie wollen. Und dabei steckt in dem Wort „Herrschaft“ ja bereits drin, wer da das Sagen hat: die Herren. Und damit sind nicht die Herren der Schöpfung gemeint, sondern die Herren der Wirtschaft. Und die sagen: wir brauchen keine Frauenquote, die ist mit Merkel und Westerwelle als politische Marionettinnen bereits übererfüllt. Der Wählerwille spielt dabei keine Rolle. Der gemeine Wähler macht alle paar Jahre sein Kreuz und darf es dann tragen.

Oder hier: Libyen. Da hat Deutschland mal heftig „Nein“ gesagt im Weltsicherheitsrat. Merkels Isolationspolitik wird weiter vorangetrieben. Erst in der EU mit dem Pakt für Wirtschaftswachstum, jetzt im Weltsicherheitsrat. Was kommt als nächstes? Deutschland löst sich von der Erde und siedelt auf den Mond über? Spätestens nach drei Wochen streiten sich doch Opposition und Regierung, wer wie viel Sand besitzen darf und welche Einfuhrbestimmungen für Meteoriten gelten sollen. Aber kaum flogen die ersten Angriffe der Franzosen (ja, wenn sie starke Verbündete im Rücken haben, trauen sich sogar die Franzmänner einen Krieg zu), schwenkt Merkel um und verkündet: „Wir stehen hinter der Resolution.“ Warum habt ihr euch aber dann der Stimme enthalten? Politik des Aussitzens: mal sehen wer gewinnt und wir halten uns an den Sieger? Die Erklärung von Westerwelle war jetzt auch nicht wirklich überzeugend: die Welt müsse einsehen, dass man eben nicht alle Diktatoren beseitigen könne. Übersetzung: was geht mich fremdes Elend an? Aber was schlagen sie vor: Libyen soll ein Öl-Embargo treffen. Wenn Libyen kein Öl mehr abgenommen würde, „dann würde es das System hart treffen“. Es fragt sich nur: welches System? Natürlich unseres. Oder ist es nur ein perfider Versuch, E10 besser zu verkaufen, weil die Rohölpreise steigen, wenn der drittgrößte Lieferant keine Abnehmer mehr findet?

E10 ist wieder so ein Stichwort. Da wird klammheimlich eine neue Benzinsorte eingeführt, die angeblich umweltfreundlicher sein soll. Sicher, die CO2-Werte sind geringer, aber im Endeffekt verbrennen wir Nahrungsmittel im Tank und vernichten Anbauflächen. Erklär das mal einem hungernden Afrikaner. „Sorry, mein Junge, wir würden dir gern Getreidesamen verkaufen, aber leider, und das musst du jetzt einfach mal verstehen, wollen die Deutschen nicht auf ihr Auto verzichten, auch wenn sie damit die meiste Zeit im Stau stehen, weil die Straßen in den Städten schon lange nicht mehr für die Mehrbelastung ausgelegt sind und das ganze System am Kollabieren ist. Tja, Hunger ist nicht schön, aber wenn dein Land ausgestorben ist, können wir wenigstens einige unwichtige Flächen outsourcen und Platz für breitere Straßen und Autobahnen schaffen. Nicht schön für dich, aber gut für unsere Autoindustrie. Und seien wir mal ehrlich: so wie du will doch sowieso keiner leben.“ Das ist der Zynismus der unsozialen Marktwirtschaft. Kein Wunder, dass wir einen Entwicklungshilfeminister haben, der das Amt noch vor Antritt eigentlich auflösen wollte. Aber so wird hier in Deutschland brüderlich geteilt.

Wo war ich? Ach ja, beim Hubschrauber. Mutti saß übrigens schon nicht mehr drin. Sie stieg lange vorher aus. Ich glaube ja, dass der Superpuma 332 sich so ähnlich gefühlt hat wie ich, wenn ich Verdorbenes durch den Eingang wieder von mir gegeben habe: ich sacke dann auch erst einmal ordentlich ab und erhole mich von der Tortur.

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