Eine EU, ein Euro-Reich, zwei Führer

„Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone mit zwölf goldenen Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt.
Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen; und sein Schwanz zog den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf dass, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße.“

Ich weiß nicht, was sich Johannes damals gedacht hat, als er das niederschrieb, aber für mich klingt das Ganze, wie der neuste Mumpitz, den sich unsere Angie wiedermal leistet.

Während die ganze Welt nach Ägypten schaut und hofft, dass in diesem Staat endlich friedlich eine Demokratie aufgebaut wird, nachdem ein Unrechtsregime jahrzehntelang das eigene Volk unterdrückt hat, denkt sich Mutti zu Hause: „Been there, done that, got the T-Shirt.“ Während in Kairo die Steine fliegen und die Deutschen abgelenkt sind, setzt sich Kohls Rache ins Flugzeug nach Brüssel und verschachert mit ihrem Nicolas Sack-Cozy die wirtschaftliche Souveränität der 17 Euro Länder. Der „Pakt für Wettbewerbsfähigkeit“ soll den Euro retten und die selbstverschuldetet Währungskrise abwenden. Noch drückt man sich vorsichtig aus und spricht davon, dass bisher nur „die Festlegung getroffen wurde, dass es einen solchen Pakt gibt“ – eine Feststellung, die in ihrer Einfachheit und Offensichtlichkeit nicht zu überbieten ist. Wie haben die beiden das festgestellt? Haben sie sich in Brüssel zusammengesetzt – beim Mittagessen, wie der Templiner Machtgeier betont – und zufällig lag dort ein Paket rum? „Nanu? Was wird das sein? Doch nicht etwa ein Pakt? Sieh her, Nicolas, ein Pakt für Wettbewerbsfähigkeit. Nein, wo kommt der denn her. Da müssen wir erst einmal feststellen, dass es diesen Pakt gibt… “ Ich kenn das. Ich renn dauernd durch meine Wohnung, bleibe erschrocken vor meinem Bücherschrank stehen, ringe fassungslos nach Atem, wenn ich sehe, welche Massen an Druckerzeugnissen in meinen Räumen lauert und ZACK geht auch schon in die Pressekonferenz des kleinen Mannes – Facebook, Twitter und StudiVZ – und der eigene Status schalmeit dem unwissenden Volk entgegen: Ich habe festgestellt, dass es in meinem Haus Bücher gibt. Ach Angie, man kann sich doof anstellen, man muss nicht. Mir tut jede Regierung leid, die nach dir kommt (möge es schnell geschehen). Westerwelles Nachfolger und dein Erbe werden die ersten Monate nicht zum Regieren kommen, weil sie zunächst eine ausgedehnte Weltreise machen und sich bei allen Staatsoberhäuptern für die Bundeskanzlerin und ihren Hampelmann von der FDP entschuldigen müssen…

Aber Feuer und Flamme sind sie ja für die noch nicht festgelegten, aber bereits ausgehandelten und „alternativlosen“ Inhalte. Und was bleibt übrig? Asche! Zunächst soll das Renteneintrittsalter EU-weit angeglichen werden. Als ich das hörte, brauchte ich erst einmal ein Bier. Sehen die noch klare Bilder? Das durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt in der EU bei 63,96 Jahren. Deutschland steht an der Schwelle das Rentenalter zu erhöhen, in Frankreich protestiert man energisch, aber nutzlos (halt französisch) gegen eine Anhebung auf 62 Jahre. Und die wollen angleichen? Gerecht wäre ja der gefühlte Durchschnitt – eine rein politische Größe – von 65 Jahren. Schauen wir uns doch mal an, was das für unser Land bedeuten würde: In Deutschland sind ca. 15,4 % der Einwohner Rentner, 18,4% unter 20 Jahren. Das bedeutet, dass 66,2% der Deutschen für das Aufkommen der Sozialleistungen verantwortlich sind. Ziehen wir von diesen 66,2% nochmal die derzeitige Arbeitslosenquote von 6,7% (saisonbereinigt) ab, erhalten wir den erschreckenden Wert von 59,5% Erwerbstätigen. Und darin sind noch nicht mal die mehr oder weniger geschickten Fälschungen der Behörden beachtet, die diesen Satz weiter nach unten drücken als er in Wirklichkeit ist. Ein-Euro-Jobs, Zeitarbeit, Arbeiter in Jobs, die gerade mal so ein Überleben ermöglichen, Subventionierte etc. müssen alle noch hingerechnet werden. Also, wenn wir auf ein Renteneintrittsalter von 65 Jahren zurückfallen, bedeutet es, dass noch weniger Erwerbstätige für noch mehr Nichtstätige aufkommen müssten. Und das bei steigenden Lebenserhaltungskosten, aber stagnierenden Löhnen.

Hey, da kommt Freude auf. Bonnie Merkel und Clyde Sarkozy wollen also angleichen. Frankreich hat eines der niedrigsten und Deutschland eines der höchsten Renteneintrittsalter. Frankreichs Volk muckt Ratz-Fatz auf, wenn es ihm was nicht passt – zwar meist erfolglos, eine Tradition, die mit der berühmten Revolution ihren Anfang nahm – und die Deutschen können es sich einfach nicht leisten, wenn sie nicht zum Florida der EU werden wollen. Wie will man da angleichen? Da können doch nur faule Kompromisse rauskommen. Und der Vorschlag? Ein gemeinsames Rentenalter von 67 in allen EU Staaten. Manchmal weiß man wirklich nicht, ob man da lachen oder weinen soll.

Ein anderer Punkt zur Abwehr der Eurokrise sieht vor, die Anpassung der Löhne an die Inflation abzuschaffen. Ja, ihr habt richtig gelesen: alles wird teurer, aber die Löhne sollen sich nicht angleichen. Im Endeffekt schubst uns Mutti sehenden Auges in die Armut. Die Schere zwischen den Armen und den Reichen öffnet sich seit Jahren immer weiter. Den oberen Zehntausend ist es egal, ob die Milch einen Euro oder ein Euro fuffzig kostet. Der Mittelstand allerdings steht bei diesen Entwicklungen vor dem Kollaps. Und nach oben fallen kann man nicht, das verhindert schon die Gravitation. Am Ende wird es nur noch zwei Schichten in Deutschland geben: die Armen und die Reichen. Zu wem die derzeitigen Machthaber gehören, kann sich jeder leicht ausrechnen.

Legt die Frau es darauf an, von den anderen Regierungschefs gehasst zu werden? Es gab vor 70 Jahren mal einen deutschen Herrscher, der scherte sich ähnlich um die Meinungen der Anderen und wie das geendet hat, wissen wir alle.

Die anderen EU Mitgliedstaaten werden gar nicht erst gefragt. Belgien und Österreich haben das deutsch-französische Tandem stark kritisiert. Von 27 Staats- und Regierungschefs haben ein gutes Dutzend die Wirtschaftsrevolution des gescheiterten Traumpärchens abgelehnt. Der Tagesanzeiger schreibt „Spätestens in einem Jahr soll die Revolution abgeschlossen sein“ und zitiert Merkel mit den Worten: „Es soll dann klar sein, dass wir es ernst meinen.“ Woah, was für eine Drohung. Erinnert stark an: „Europa muss mit meiner Stimme sprechen.“ Wenn das so weiter geht, wird Deutschland in der EU wieder als Aggressor wahrgenommen. Diesmal allerdings nicht im Kampf um Lebensraum, sondern im Kampf um die wirtschaftliche Souveränität. Deutschland, der Exportweltmeister, der die meisten seiner Güter im Ausland produziert, übernimmt nach und nach klammheimlich alle wichtigen Posten und diktiert seinen Nachbarn ungefragt, wie sie zu leben haben.

Und was machen wir Deutschen? Wir schauen nach Ägypten und freuen uns, dass es Menschen gibt, die für einen gerechteren Umgang durch ihre Regierung auf die Straßen gehen. „Ja, ja, das war mal nötig da unten.“ Und hierzulande verhallen die Warnungen. Es heißt: reg dich nicht auf, du änderst ja sowieso nichts. Warum soll ich nicht gegen den Strom schwimmen? Ich will nicht, dass alles den Bach runtergeht. Verdammt, diese Biene Maja Koalition macht meine Zukunft kaputt und das deutsche Volk schaut sich an, wie Dirk Bach und Sonja Zietlow madenvertilgende Z-Promis veräppeln und lacht über schräg singende DSDS-Kandidaten. Leute, wacht auf. Schaut euch lieber an, was die machtgeilen Pappnasen von CDU und FDP fabrizieren, wie sie schön für geldschwere Wirtschaftsunternehmen apportieren und angehechelt kommen, wenn Siemens wohlwollend verkündet, man würde die Produktion doch nicht nach Osten verlagern, wenn die Bundesregierung es irgendwie schaffe sollte, die Körperschaftssteuer so zu interpretieren, dass börsennotierte Unternehmen als natürliche Personen anerkannt werden. Hier läuft einiges schief in Deutschland.