Katerstimmung

Verdammt ist schon wieder viel Zeit vergangen. Da feiert man nur einen kleinen Umtrunk wegen des Rauswurfs der FDP aus dem Bundestag und zack sind vier Monate vergangen. Ich kann mich nicht an viel erinnern. Nur soviel: es hat irgendwas mit einem Duschkopf, zwei Litern schwerem Wasser und einer Gugelhupfform zu tun. Und kaum biste halbwegs wieder nüchtern, kommt schon das nächste Übel auf dich zu.

Wie schön war doch die Zeit als wir keine Regierung hatten – also offiziell keine Regierung.  Doch am Ende des Jahres kamen dann wieder diese unsäglichen Rituale: Unsere Majestät die Heilige Angela hat sich herabgelassen und dem Volke einen Neujahrsgruß geschickt. Kurz darauf tauchte im Internet die ungeschnittene Textfassung auf. Lest, was unser Bankzinsenluder so nicht sagen wollte.

„Liebe Untertanen Mitbürgerinnen und Mitbürger, der Jahreswechsel ist traditionell ein Zeitpunkt guter Vorsätze. Vielleicht nehmen Sie sich gerade vor, mit dem Rauchen aufzuhören, mehr Sport zu machen oder mehr Zeit für die Familie zu haben. Alles, was Sie davon abhält sich mit den wichtigen sozialpolitischen Fragen auseinanderzusetzen, die das Land bewegen sollte, aber erfolgreich von Schlagzeilen über Tierbabys, Prinzessinenbabys und Berichten über das neuste iPhone verdrängt werden. Ich selbst nehme mir eigentlich immer vor, mehr an die frische Luft zu kommen – auch das sicher ein Klassiker unter den guten Vorsätzen. Nur das Skifahren werde ich in Zukunft besser sein lassen. Doch wer mich kennt, der weiß längst, dass meine guten Vorsätze wie die Absichtserklärungen eines Weltklimagipfels zu bewerten sind: nett zu hören, aber in nie in Gefahr, umgesetzt zu werden. Doch dann kommt das neue Jahr, und schnell hat uns der Alltag wieder.

Oft jagt ein Ereignis das andere. Manchmal verändert eines davon vieles, wenn nicht gar alles in unserem Leben. Manchmal, wie etwa eine Bundestagswahl, stellt es jedoch auch sicher, dass alles beim Alten bleibt. Die Jahrhundertflut Jahrtausendflut Millenmiumsflut Flut, die im Frühsommer in das Leben vieler Menschen an Donau, Elbe, Mulde und Saale brach, war so ein Ereignis. Gerade erst waren die Folgen der Jahrhundertflut Jahrtausendflut Millenmiumsflut gewaltigen Flut von 2002 beseitigt, da mussten viele erneut ohnmächtig zuschauen, wie ihr ganzes Hab und Gut weggeschwemmt wurde.

Doch zugleich brach noch eine Welle ganz anderer Art los, eine überwältigende Welle der Hilfsbereitschaft. Sie zeigte besonders deutlich, was in unserem Land steckt. Eine Gruppe von Studenten in Passau mobilisierte über das Internet täglich ein paar Tausend freiwilliger Helfer und sorgte dafür, dass die Hilfe dorthin kam, wo sie gebraucht wurde: Rund um Mainz blockierten sie die Bahngleise und sorgten dafür, dass tausende, wenn nicht hunderte potentielle FDP-Wähler zu den Wahlurnen gelangten. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Und natürlich ist fern der großen Schlagzeilen auch in unserem persönlichen Leben viel geschehen. Schönes wie Enttäuschendes. Uns ist beim letzten Geburtstag von Herrn Ackermann im Kanzleramt der Hefezopf nicht aufgegangen und Wir musste Ursula von der Leyen um Rat fragen. Das ist Uns ganz schön geärgert. Manche sorgen sich auch um einen kranken Angehörigen oder haben einen lieben Menschen verloren und erleben den heutigen Abend in Trauer. Und damit meine ich nicht nur Sie, liebe Untertanten Mitbürger, die Ende September einen Wechsel hervorrufen wollten.

Es ist also wahrlich nicht alles so, wie wir es uns erhoffen oder wünschen. Davon kann vor allem der Philipp Rösler ein Lied singen. Doch immer wieder gibt es Chancen zu neuen Anfängen. Viele in Deutschland – Junge wie Alte – sagen: Ich wage es.Das unterscheidet sie grundlegend von meiner Person. Sie gründen eine Initiative wie etwa Milfs gegen Merkel oder eine Firma. Sie nutzen ihr Talent und werden Künstler, Sportler oder Handwerker. Sie setzen sich ein in ihrem Beruf als Verkäuferin, Altenpflegerin, damit sie nicht in Gefahr laufen, ihren Harzt IV Anspruch zu verlieren, denn leben kann man von diesen Berufen nicht oder Richterin. Sie leben mit einer Behinderung und tragen wie Millionen anderer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Erfolg meines unseres Landes bei . Sie schauen nicht weg, sondern zeigen Zivilcourage, wenn andere bedrängt werden und in Not geraten. Sie unterstützen ihr Land bei Großprojekten wie dem Berliner Flughafen, Stuttgart 21 ider der Hamburger Elbphilharmonie, indem sie uns auf mögliche Fehler aufmerksam machen. Und wir tun unser Bestes, diese Unterstützung zu ignorieren.

Jede Lebensgeschichte steht für sich – und trägt zugleich ihren Teil zu dem bei, was unser Land im Kern ausmacht: Wirtschaftslobbyismus, Ablenkung von wirklich wichtigen Themen durch den Boulevard, soziale Kälte und opportunistische Politiker  Leistungsbereitschaft, Engagement, Zusammenhalt. Was jeder Einzelne von uns im Kleinen erreicht, das prägt unser Land im Ganzen. Der Staat kann investieren. Sie können das nicht. Er kann gute Bedingungen schaffen für große Firmen wie Bayer, BMW oder BASF. Doch die Politik könnte nur wenig bewirken ohne Sie alle in unserem Land, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, gleich welcher Herkunft. Das ist auch der Grund für die vielen guten Nachrichten in diesem Jahr, etwa, dass wir immernoch mehr Menschen haben, die von ihrem Lohn nicht leben können und sich mit Hartz IV über Wasser halten oder das unser Rentensystem in den nächsten Dekaden so kräftig anzieht wie die Titanic.

Es erklärt, warum bei uns so viele Menschen wie noch nie zuvor einen Arbeitsplatz hatten, auch wenn sie in konstanter Angst leben, ihn zu verlieren und durch Billigarbeiter aus dem Osten ersetzt werden, warum wir im harten weltweiten Wettbewerb so gut mithalten, weil der Aufschwung auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung geht, die durch Zeitarbeit und Lohnkürzungen ihr Unternehmen noch ein Jahr länger am Tropf gelassen haben und warum sich so viele Menschen ehrenamtlich in unsere Gesellschaft einbringen: damit sie etwas zu tun haben, wenn ihnen selbst das Mittagsprogramm von RTL zu blöd geworden ist. Es gibt viel zu tun, damit Deutschland auch in Zukunft stark bleibt. Besonders wichtig ist mir, dass wir unsere Finanzen der nächsten Generation geordnet übergeben, aber mir war auch mal der Umweltschutz wichtig und wir alle wissen, wohin das geführt hat dass wir die Energiewende zum Erfolg führen, dass wir gute Arbeit und ein gutes Miteinander in unserem Land haben – gerade auch weil unsere Gesellschaft älter und vielfältiger wird. Wir wollen die Familien unterstützen – sie sind das Herzstück unserer Gesellschaft. Deswegen definieren wir den Familienbegriff nach einem 2000 Jahre altem Buch, das jegliche Relevanz in der heutigen Zeit verloren hat und ignorieren die Lebenswirklichkeit von Millionen von Menschen. Eine Kernfamilie besteht bis in alle Ewigkeit aus einem Vater, der tagsüber das Geld erarbeitet und abends schwer trinkt, einer Mutter, die zu Hause bleibt und das Betreuungsgeld für Schuhe ausgibt und 1,4 Kindern, die sich mit 12 Jahren ihre ersten Pornos auf die Handys laden, ihre Mitschüler verprügeln und die aufgenommen Videos für die maximale Klickzahl auf youtube stellen.

Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendlichen die bestmögliche Bildung und damit die bestmögliche Chance auf ein gutes Leben erhalten können. Trotzdem sehen wir nicht ein, genug Referendaraitsstellen zu schaffen, Erziehern und Grundschullehrern ein angemessenes Gehalt zu zahlen und die schulische Infrastruktur auf ein modernes Level auszubauen.  Dabei wissen wir, dass die Fortschritte unseres Landes stets davon abhängig sind, dass wir auch in Europa vorankommen und die Staatsschuldenkrise tatsächlich dauerhaft überwinden. Aber da ich wir den Verlauf der Schuldenkrise mit meinen Freunden von der Deutschen Bank steuern kann, muss ich müssen wir uns keine Sorgen machen, dass ich abdanken muss , dass in Deutschland griechische Verhältnisse herrschen werden.

Im kommenden Mai können rund 375 Millionen Bürgerinnen und Bürger Europas ein neues Europäisches Parlament wählen – auch wenn viel zu Hause bleiben und sich einen Dreck dafür interessieren also genau 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges, 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges und 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, dem Anfang vom Ende der Teilung Deutschlands und Europas. Und neun Jahre nach meiner Krönung meinem Amtsantritt. Europa wurde aus einem Traum weniger durch die Anstrengung vieler ein Ort des Friedens für Millionen.

Das zeigt einmal mehr, wie viel wir erreichen können, wenn wir einander vertrauen und zusammenhalten – so wie es die vielen Freiwilligen und Soldatinnen und Soldaten, die Polizistinnen und Polizisten und alle anderen Einsatzkräfte bei der Flut im Frühsommer getan haben. Jeder einzelne Beitrag mag zunächst klein erscheinen – angesichts der Größe der Aufgaben. Mein eigener Beitrag beispielsweise ist an der Größer der Aufgabe verschwindend gering, ja fast nicht mehr mit menschlichen Möglichkeiten zu messen.

Doch alle Beiträge zusammen machen die Stärke unseres Landes aus. Liebe Untertanen Mitbürgerinnen und Mitbürger, für das kommende Jahr wünsche ich uns allen die Entschlossenheit, unsere Vorsätze umzusetzen, jedenfalls die wichtigsten, denn das wünschen wir uns auch immer, wenn wir an irgendwelchen Klimakonferenzen teilnehmen. Vorsätze und Entschlossenheit haben an dieser Stelle auch noch nie zu etwas Konkretem geführt. Den Mut zu immer neuen kleinen Anfängen und die Kraft und den Trost, auch das Schwere im Leben zu tragen, so wie ich mein Kabinett ertragen muss. Von Herzen wünsche ich Ihnen und Ihren Familien Gesundheit, Zufriedenheit und meinen Gottes Segen für das neue Jahr 2014.

Indulgentiam, absolutionem et remissionem omnium peccatorum vestrorum, spatium verae et fructuosae pænitentiæ, cor semper pænitens et emendationem vitae, gratiam et consolationem Sancti Spiritus et finalem perseverantiam in bonis operibus, tribuat vobis omnipotens et misericors Dominus.

Et benedictio Dei omnipotentis: Patris et Filii et Spiritus Sancti descendat super vos et maneat semper.

Amen.