Ex Spiritus Sancti

Vor kurzem wurde ich gefragt, ob ich nicht einen Kommentar zum Papstrücktritt schreiben möchte. Uff… Damit hab ich mich sehr schwer getan. Nicht nur, dass ich erst verarbeiten musste, dass der Schavan abgeschossen worden ist, nein, ich hab den ganzen Hype darum einfach nicht verstanden. Seien wir doch ehrlich: ein alter, wahrscheinlich dementer Mann, der sich gern in Frauenkleidern herumtreibt geht in Rente. Warum die ganze Aufregung? In Köln passiert so was praktisch jeden Tag.

Und alle sind sie am Diskutieren. Die blödsinnigsten Fragen: Wie wird Benedikt heißen, wenn er zurückgetreten ist? (Joseph Ratzinger) Wird sein Siegelring zerstört? (Ja) Wie soll man ihn ansprechen? (Emeritierter Papst oder Römischer emeritierter Pontifex – im Gegensatz zum Florentiner emeritierten Pontifex, oder was?) Was wird er zukünftig tragen? Ehrlich… es wird im Vatikan ernsthaft diskutiert, was der Noch-Papst tragen wird. Ich tippe auf das, was alle Rentner tragen: ein Feinrippshirt und Seniorenwindeln.

Aber die spannendste Frage ist: Was kommt danach? Verschiedene Promis haben sich schon dazu geäußert, dass sie für das Amt nicht zur Verfügung stehen. Schade, Thomas Gottschalk hätte ich mir gut vorstellen können. Er hat das Zeug dazu, ganz sicher. Dauergrinsen, Selbstverliebtheit, der Drang, sich seltsam anzuziehen und einen Bonus bei den Senioren. Bitte, Tommi, mach du den Job. Ich befürchte, Frau Merkel probt schon das Angela-Gebet.

Und Bennedetto? Was wird aus ihm? Eine solche Situation ist ziemlich selten. Bisher sind erst vier Päpste von ihrem Amt zurückgetreten: Potentianus (235), Silverius (537), Cölestin V (1294) und Gregor XII (1415). Interessanterweise war der Nachfolger und mutmaßliche Drahtzieher hinter Gregors Rücktritt ein gewisser Benedikt. Ein Schelm, wer da an Zusammenhänge denkt.

Aber jetzt verabschieden wir erst mal Papa Ratzi. Er ist ein echter Deutscher und tritt pünktlich mit dem Eintritt in das Rentenalter zurück. Mit 86 Jahren muss man nicht mehr arbeiten – wobei man gehört haben soll, dass die FDP das Renteneintrittsalter auf 90 hochsetzen wollen. Aber damit macht uns Joseph allen das Leben schwer. Wer ist denn jetzt zuständig für den Herbst seines Lebens? Das deutsche Rentenversicherungssystem, in das Joseph Ratzinger nie eingezahlt hat, aber aufgrund des Bayrischen Konkordats von 1925 und des Renten an Bischöfe und darüber zahlen muss? Oder der Vatikan, dessen staatliches Oberhaupt Benedikt ja war? Wahrscheinlich beide. Naja, wollen wir nicht so sein. Wir leisten uns ja schließlich auch den Ehrensold von Wulff. Da werden die paar Millionen Kröten für Ratzinger auch schon von den Hartz IV Überschüssen übrig sein.

Und was wird Benedikt selbst machen? Kontemplation, beten, bla bla… Von wegen: der Mann wird Bücher schreiben, seinen weißen Talar kann er als Werbefläche vermieten oder er bekommt eine Talkshow beim ZDF. Nach Anne Will kommt Ratze redet. Wobei ich ihn ihn mir auch gut als Co-Moderator und Kommentator für das Konklave vorstellen könnte.

Meine Damen und Herren. Wir befinden uns hier hoch über dem Petersplatz im Rom und erwarten die Ankunft der Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle. Ich begrüße neben mir als Experten für Kirchenrecht, Inquisition und religiös verklärter Pädophilie den ehemaligen Papst Benedikt XVI. Seine Heiligkeit… Euer Ehren… Ihre Majestät… wie, nun wie soll ich Sie ansprechen?

Eure Heiligkeit ist vollkommen ausreichend, mein lieber Mann. Im Namen Gottes, so stehen Sie doch wieder auf. Es gibt keinen Grund, vor mir auf die Knie zu fallen.

Nun denn, eure Heiligkeit, ich bedanke mich, dass Sie Zeit gefunden haben, uns in diese neue Zeit zu begleiten. Es muss für Sie ja besonders schwer gewesen sein, Ihr Amt aufzugeben.

Im Gegenteil. Die Bürde des Amtes war eine sehr schwere, mein Sohn. Ich bin froh, von dieser weltlichen Arbeit erlöst zu sein.

Sie gelten nun als der Veteran des Heiligen Stuhles, als Oberster Pensionär Roms und vorheiliger Pontif-Ex, doch was erwog Sie, diesen Schritt zu gehen?

Ich sah die Werte meiner Kirche auch in Deutschland mit den Füßen getreten, ich erkannte, die Welt ist ein Ort voller Grausamkeit, voller Hass und Intoleranz.

Sie sprechen damit auf die Missbrauchsvorwürfe an, die in Deutschland, Irland, Schottland und in vielen anderen Nationen laut geworden sind…

Aber nicht doch. Vielmehr ist es doch so, dass meine eigenen Bischöfe die Pille danach für vergewaltige Frauen erlauben und die Christlich Demokratische Union über die steuerliche und rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen nachdenkt. Ist dies eine Prüfung Gottes? Das Sakrament der Ehe und die Familie muss vor solchen Häresien beschützt werden.

Nun, Eure heilige Rentenbescheidenheit, welchen Angriff würde denn eine Gleichstellung der Homosexuellenehe auf die Familie bedeuten?

Mein liebes Kind, es ist doch ganz einfach: wenn Schwule heiraten und Kinder adoptieren dürften, dann kämen noch weniger verirrte Schafe in unsere Priesterseminare. Die Gleichstellung der Homoehe ist ein Angriff auf das Zölibat.

Ich verstehe. Doch entschuldigen Sie bitte, gerade in diesem Moment kommt ein schwarzer Wagen vorgefahren. Aus diesem steigen drei Herren. Sie tragen ein Kleid von Louis Vitton in einem samtigen Schwarz, dazu einen lila, mit Goldbändern durchwirkten Schal um die Hüfte. Einer von ihnen trägt einen schwelenden Weihrauchschwenker. Sind das die italienischen Kardinäle, Eure Scheinheiligkeit?

Aber nein, was denken Sie denn? Das ist die Kölner Prinzengarde auf dem Weg zur jährlichen Büttenmesse. Diese wird traditionell neben der Sixtinischen Kapelle abgehalten. Und das ist auch kein schwelender Weihrauchschwenker, sondern nur eine brennende Handtasche. Die Kardinäle sind bereits in der Kapelle und beten.

Wie kann man sich das vorstellen in einer solchen Konklave? Wie läuft das ab?

Nun, zunächst werden alle wahlberechtigten Kardinäle hereingetragen. Das sind alle Kardinäle unter 80 Jahren. Die über achtzigjährigen bekommen ja keine klaren Gedanken mehr zu fassen… Dann werden die Herzschrittmacher synchronisiert.

Ich möchte unsere Zuschauer an dieser Stelle an Ihre erste Rede erinnern, in der es hieß: Die Kirche lebt, die Kirche ist jung!

Wie bitte?

Schon gut,bitte fahren Sie fort…

Anschließend wird gemeinsam gebetet, auf das der Heilige Geist über die Anwesenden komme. Nach dem Gebet werden die Kardinäle wieder geweckt und der erste Wahlgang beginnt.

Das ist interessant. Wir alle wissen, dass der neue Papst gewählt wurde, wenn er die Zweidrittelmehrheit erhält bzw. nach dem 33. Wahlgang die einfache Mehrheit. Die Wahlzettel werden verbrannt und der Rauch signalisiert den Erfolg: schwarz heißt, es dauert noch. Weiß bedeutet der Stuhl Petri ist neu besetzt. Und wenn wir uns jetzt zu dem Schornstein wenden, dann sehen wir, dass tatsächlich Rauch entsteigt. Mein Heiliger Großvater, ist der Rausch schwarz oder ist er weiß?

Der Rauch ist grau. Und Sie wissen, was das bedeutet?

Habemus Papam….?

Aber nein, wo denken Sie hin? Den Kardinälen ist das Marihuana ausgegangen….

Eure Ex-Seeligkeit, ich bedanke mich herzlich für Ihre Einsichten an diesem bedeutenden Tag. Möchten Sie unseren Zuschauern vielleicht ein paar abschließende Worte auf dem Weg geben?

Aber natürlich. Mein lieben Schafe. Ich war nun acht Jahre euer Hirte. In dieser Zeit habe ich Höhen und Tiefen erlebt. Ich musste zusehen, wie unschuldige Priester des Spotts und der Häme ausgesetzt waren, da sie ihren Nächsten liebten wie sich selbst. Dabei spielt es nur eine geringe Rolle, dass ihr Nächster oftmals kleine Jungs waren. Ich musste erleben, wie die Sünde in Deutschland groß wurde und Frauen an den Türen abgewiesen worden sind, die ihnen hätten helfen müssen, ihnen ein Bett und eine christliche Schwangerenberatung geben müssen – und auch den Vätern, obwohl diese noch wegen des sexuellen Übergriffes, der das Kind überhaupt erst gezeugt hat, in Untersuchungshaft saßen. Ich musste zusehen, wie Homosexuelle und auch Schwule die Fundamente der Ehe und der Familie stärker unterhöhlt haben als jede Zwangstaufe und -kommunion es je geschafft hätte. Unter diesen Umständen verlasse ich euch nun und gebe euch in die beschützenden Hände meines Nachfolgers. In nomine patris et filii et spiritus sancti. Amen