Deutschland? Nein Danke!

Deutschland wird mehr und mehr zu einem Dagegen-Land. Und damit meine ich nicht nur die Grünen. Die Ökos werden ja gerne mal von anderen Parteien attackiert, wenn irgendein Projekt gestoppt werden soll, dass für die Wirtschaft zwar interessante Umsätze verspricht, aber dafür die Ausrottung der grünen Waldotter begünstigt. Angeblich sind die Grünen sogar gegen eine Papstrede im Bundestag. Warum nur? Wer jetzt von den Heinis Unsinn redet, ist doch eigentlich egal. Von mir aus auch der Papst. Dessen Dogmen werden in der Regel ebenso wenig umgesetzt, wie die Vorschläge nach mehr sozialer Gerechtigkeit aus Oppositionskreisen (könnte man nicht James Watts Erfindung der Dampfmaschine nutzen, indem man einen Bullshit-Umwandler in die Sprechtribüne des Bundestages einbaut? Eine Plenarsitzung sollte doch den Energiebedarf Deutschlands über Monate hinweg sicherstellen, bei der heißen Luft, die da aus dem Gehege mancher Zähne fällt).

Aber eigentlich sind die Grünen ja gar nicht mal so blöd (außer der Tatsache, dass sie aus Tierliebe kein Fleisch essen, denen aber durch ihre eigene Ernährung die Weidegründe leergrasen). Sie haben erkannt, dass sich mit „dagegen sein“ sehr gut Wählerstimmen sammeln lässt. Hauptsache meckern, motzen, schimpfen und jammern. Nebenbei offene Briefe schreiben, Unterschriften sammeln und Demonstrationen organisieren. Das können Grüne und Deutsche gleichermaßen gut. Kein Wunder, dass die zur neuen Volkspartei werden. Die SPD sitzt daneben und resigniert. So richtig regieren wollen die auch nicht mehr, oder? Und der CDU ist der Wählerwille sowieso egal, solange die Wirtschaft den nächsten Wahlkampf subventioniert, damit die nächste Legislaturperiode dazu genutzt werden kann, die Wirtschaft zu subventionieren. Eine Hand wäscht die andere, aber eben selten in Unschuld.

Aber ich war ja eigentlich bei dem „dagegen sein“. Mich interessieren da die Hintergründe. Und der Grund dafür, dass wir in Deutschland nichts gebacken bekommen, weil immer irgendein Hinterwäldler, der kaum einen anständigen Satz formulieren kann, immer einen Grund findet, mit dem der Fortschritt aufgehalten wird. Ich weiß, dass ist auch nicht die letzte Ursache. Das eigentliche Problem ist ein massives Missverständnis vom Konzept der Meinungsfreiheit. Dieter Nuhr hat das schön auf den Punkt gebracht: „Man KANN eine Meinung haben, man MUSS nicht. Und: Wer keine Ahnung hat sollte einfach mal die Klappe halten.“ Für diesen Satz bin ich diesem Weisen des Alltags unglaublich dankbar. Seien wir doch mal ehrlich: die meisten Mitbürger werden weder von der von ihnen gewählten Partei regiert, geschweige denn von ihrem eigenen Hirn. Die meisten lassen sich doch von der BILD Zeitung oder vom örtlichen Pfarrer erzählen, was sie zu denken und zu glauben haben. Die selbstverschuldete Unmündigkeit, aus der wir uns laut Kant befreien, wenn wir den Mut haben, unseren eigenen Verstand zu bedienen, ist doch noch lange nicht überwunden. Die Meinungsumfragen in den Medien sind genauso frisiert, wie die Arbeitslosenzahlen. Glaube daher keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Wir sollten also aufhören, die Menschen zu befragen. Also, nicht alle Menschen. Nur die Dummen. Und wie findet man das raus? Indem man die Abonnementen Liste der BILD Zeitung den Meinungsforschungsinstituten zugänglich macht und alle Namen von der Anrufliste streicht, die dieses Blatt aus Vergnügen lesen. Danach entwickeln wird eine Technik, die dasselbe schafft, nur mit RTL II – Stammzuschauern. Es sei denn es geht um die Bereiche Sport, Wetter oder Titten. Ich meine, diese Menschen sind es, die Sendungen, wie Dschungelcamp, DSDS oder diese unsäglichen Doku-Reality-Soaps am Laufen halten. Dabei haben solche Formate mit der Realität nicht mehr zu tun als Harry Potter auf Koks (eine interessante Erfahrung, die ich sicher auch mal machen werde).

Versteht mich nicht falsch: Demokratie ist was Tolles. Ich stehe auf das Prinzip der unendlichen Vielfalt in unendlicher Kombination. Lang lebe die Diversität. Aber bitte, bitte, liebe Leute, es ist nicht so schwer folgende Reihenfolge einzuhalten, bevor ihr mit eurer Meinung heraus plautzt: Hirn einschalten, informieren, einordnen, Konsequenzen für die Gesellschaft ermitteln, Konsequenzen für sich selbst ermitteln, abwägen, Meinung bilden und Argumente suchen. Tadaaaa: die Grundlage für eine Diskussion. Leider läuft es aber doch anders ab: Hirn im Dämmerzustand (a.k.a. Normalzustand) belassen, Situation nur zur Hälfte erfassen, „Oh neeeeee“ denken, dagegen sein, sinnbefreite Gründe suchen, selbstverliebt nicken und alle Diskussionsangebote mit den Worten „Du hast doch keine Ahnung!“ abschmettern.

Ein paar Beispiele. Zunächst das Atommoratorium. Moratorium kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie verzögern, aufschieben (Eigentlich ein ganz guter Name für den gesamten Merkelschen Regierungsstil: „das Merkel-Moratorium“ ; für einige gar ein „Merkel-Martyrium“). Dass die Meiler wieder ans Netz gehen bezweifelt mittlerweile sogar die Energiewirtschaft und breitet schon mal ein paar Klagen vor, damit sie für die Verdienstausfälle vom Staat entschädigt werden. Schon ein kluges Konzept: liefern sie Strom, bezahlt der Kunde – liefern sie keinen Strom, bezahlt das Volk. Aber irgendwo müssen wir ja Strom her bekommen, damit wir nicht bei Kerzenlicht fernsehen müssen. Wir setzen ja seit neuesten auf erneuerbare Energien: Strom, Wasser, Sonne. Dafür brauchen wir aber die Anlagen. „Ja,“ sagt der Deutsche, „genau. Bauen wir ein paar Solarkraftwerke…. aber NICHT VOR MEINER HAUSTÜR!!!!!!“ In einem ARD Beitrag hat ein schwäbischer Konsonantenschänder argumentiert, dass die Solaranlage ihn und andere Menschen in einem bestimmten Winkel stark blenden würden. Soweit, so gut. Allerdings stieg er zur Demonstration auf eine Leiter, die unmotiviert mitten auf einer Wiese stand und blickte auf Zehenspitzen über eine Hecke hinweg auf ein (noch) leeres Feld. Verdattert starrte ich auf den Fernseher und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Wenn sein Hobby nicht gerade „auf Leitern steigen, die auf einer Wiese stehen, die von einer hohen Hecke begrenzt ist“ ist, dann ergibt diese Aktion nicht geringsten Sinn. Außerdem: die Sonne selbst hat die Eigenschaft, wenn man in einem bestimmten Winkel (nagut, in jedem Winkel) direkt hineinschaut, dass sie stark blendet. Sollen wir die Sonne jetzt auch abschaffen? Mein Rat an den verwirrten Blindgänger: stell dich einfach nicht auf die Leiter und schau nicht über die Hecke. Aber das wäre wohl zu einfach.
In einem anderen Fall waren ein paar Bauern und Gärtner gegen eine neu gebaute Hochspannungsüberlandleitung (mein Wort des Tages). Einer dieser intellektuellen Glanzlichter behauptete, er könne die Vibrationen des Starkstroms beim umgraben durch seinen Spaten hindurch spüren. Durch seinen HOLZspaten hindurch. Holz, der Supraleiter der Natur. Is klar. Entweder war der Spaten also so morsch, dass die Wassermenge reichte, um Strom zu leiten (was die Frage aufwirft, warum man mit einem solchen Spaten den Garten umgraben wollen würde. Das Ding ist im Arsch, da brauchst du ‘nen neuen, Junge. Am besten einen aus Aluminium) oder der Mann verspürt die ersten Anzeichen der Parkinson‘schen Krankheit. Dann ist eine Überlandhochspannungsleitung (woah, ich LIEBE dieses Wort einfach) aber das Geringste seiner Probleme. Der Betreiber der Überlandleitung hat im Übrigen bereits reagiert. Sie hätten Verständnis für die Sorgen und Ängste der Bürger und würden sich gern näher damit befassen, vor allem ab dem Zeitpunkt, ab dem auch wirklich Strom durch die Leitung geschickt wird.

Ich könnte hier noch stundenlang weiterschreiben. Aber ich möchte innehalten und die Menschen wachrütteln. Seit nicht immer dagegen. Denkt nicht immer an euch, denkt auch an andere. Seit einmal DAFÜR.

Ich BIN dafür.

Ich sage ja zu Abtreibungen, solange es dem informierten Wunsch der Mutter entspricht. Notfalls auch nach der Geburt.

Ich sage ja zu Sterbehilfe, wenn damit ein Leben würdig beendet werden kann und derjenige nicht dazu verdammt ist, den Rest seiner Tage Musikantenstadl schauen zu müssen – oder schlimmer: Mitglied der CDU/CSU zu werden (die Grenzen sind da fließend).

Ich bin für die Abschaffung der Todesstrafe in Hessen.

Ich bin für Stuttgart 21, wenn die Deutsche Bahn verspricht in Zukunft dafür nur noch pünktlich zu kommen.

Macht aus Verbrechern wieder Menschen: entlasst die Spitzenmanager und gebt ihnen ehrliche Arbeit. Aber vor allem: sagt ja. Oder, um den Zeitgeist treffender zu beschrieben: Leckt mal ordentlich am Zuckerberg und verkündet: I LIKE!