Buntes Wahlgemüse

Zunächst ein Hinweis in eigener Sache: Der Blog hier, das sollte den meisten klar sein, ist als Satire gedacht. Satire soll nicht zur Diskussion anregen, sondern unterhalten und eventuell auch mal zum Nachdenken anregen. Ich will hier nicht rumdiskutieren, sondern im besten Fall dem Leser den einen oder anderen Schmunzler entlocken oder ihn gar zustimmend mit dem Kopf nicken lassen. Also neue Regel: ignoriert die Gebrauchsanweisung und lest einfach nur. Kommentare für die ich länger zum Lesen brauche als mein Computer hochfährt, werden ignoriert. Warum ich das sage? Weil ich es kann. Mein Bog, meine Regeln. …

So, jetzt werden sich einige verabschiedet haben, weil man mit mir ja nicht diskutieren kann und ich scheinbar nur einen Wortschwall mehr oder weniger zusammenhängender Sätze komponiere, die dazu da sind, auf Minderheiten rumzuhacken. Denen sage ich: Geht mit Gott (aber geht). Der Hardcore-Kern meiner Leser wird hier bleiben, da bin ich mir sicher. Und als Dankeschön lade ich euch beide auch mal zum Kaffee ein.

Eigentlich sind wir schon mittendrin bei meinem heutigen Sermon. Ich möchte euch eine Geschichte erzählen, so wie ich sie erlebt habe und was meine Gedanken dazu sind. Es geht darum, nicht immer das politisch Korrekte zu tun und einfach unkritisch das Gefasel der Regierung nachzuplappern. Besonders gilt das für die Leute, die selbst ein politisches Amt bekleiden wollen.
Und so begab es sich, dass ich einen schönen Tages in der Cafeteria der hiesigen Universität saß – welche Universität ist nicht wichtig, denn die, die mich persönlich kennen, wissen wo ich studiere und die, die es nicht tun: geht euch nichts an. Jedenfalls saß ich dort, dachte mir nichts Böses in diskutierte mit einer blonden Kommilitonin über John Rawls und seine Theorie der Gerechtigkeit. Es hätte so schön sein können. Ich nahm gerade Guido Westerwelle und die FDP auseinander, machte mich wie immer über Mutti Merkel lustig und trank das Gesöff, dass noch nicht mal mit viel Phantasie und Bestechung des Hygieneinspektors als Kaffee durchgehen würde. Ein ganz normaler Tag also.
Plötzlich erschien SIE: eine dynamische, junge Lady, eingeblazert in Deutsche & Banane und machte Wahlkampf für das Studierendenparlament, kurz StuPa. Mein Hinweis, dass das Akronym durchaus mit dem Wort „stupide“ verwechselt werden könnte, wischte sie mit einem irritierten Lächeln zur Seite und fragte uns, was wir wählen würden, wenn wir wählen gehen würden. Politisch korrekt ging sie davon aus, dass wir tatsächlich wählen. Die Arme. Bei der letzten Wahl habe ich mich in die Kabine gesetzt und habe den Stift kreisen lassen. Nach ein paar Minuten hab ich laut gesagt: „Sagt mal jemand STOPP…“ In Bayern war das wählen immer so einfach. Da hatte man einen ellenlangen Zettel, aber die Stifte waren an so kurzen Ketten, dass man nur die oberste Partei ankreuzen konnte… und das war die CSU. Endlich aber haben die Bayern begriffen, dass man den Wahlzettel auch mal drehen kann… Blitzmerker.

Egal, ich war bei der Stupiden. Wir kamen dann auch auf die bundespolitische Ebene. Wir waren uns einig, dass eigentlich jede Option nur ein anderer Geschmack der gleichen Scheiße ist. Das liegt einfach daran, dass alle an die soziale Marktwirtschaft glauben, wollen bessere Bildung, Arbeitsplätze und Umwelt retten, die Wirtschaft ankurbeln, den Weltfrieden erreichen und den ersten Kontakt mit den Vulkaniern herstellen. Naja, außer den Bayern wiedermal. Die Beispiele Knut und Bruno – beides Bären mit zweifelhafter Berühmtheit – haben es gezeigt: biste weiß, wirste ein Star, biste braun wirste in Bayern erschossen. Aber Brandenburg machen sie zu No-Go Zone… is klar.

Ich schweife wiedermal ab. Also, jede Partei, die bisher von den Industrielobbyisten an die Macht gekauft wurde, ist mit dem gleichen Programm mit nur minimalen Unterschieden angetreten: mit heißer Luft gegen soziale Kälte.
Und genau deswegen wähle ich seit Jahren aus rein ästhetischen Gründen. Und das ist in Zeiten von Kühnast, Merkel und Westerwelle eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Außerdem haben wir mittlerweile alles ausprobiert, wozu uns die Parteien gezwungen haben. Merke, nicht was wir gewählt haben. Aber schwarz und gelb wollen nicht mit grün, gelb will nicht mit rot, rot aber auch nicht mit gelb, genauso wie grün. Und keiner will mit magenta (Darf ich das sagen, ohne das Copyright der Telekom zu verletzen?). Also was bleibt uns da übrig? Rot-grün, große Koalition oder schwarz-gelb. Hatten wir alles schon und was ist passiert? Wir haben sechs Millionen Hartz IV Empfänger bei gefühlter Vollbeschäftigung (wie das zusammenhängt, muss mir auch mal einer erklären… mein Tipp: die halten uns für so dämlich, wie wir sind), die Bildung liegt am Boden und wird verbal mit Käse zugedeckt (daher auch der Name „Bologna“ Prozess. Er leitet sich von der gleichnamigen Lasagne ab, deren herausragendes Merkmal es ist, das Fleisch solange zu zerkochen bis das Ergebnis in Geschmack und Konsistenz von Scheiße nicht mehr zu unterscheiden ist. Das Ganze wird dann überbacken und den Studenten serviert) und die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Das Groteske ist, dass wir alle das auch wissen und zwischen Wahlen auch immer betonen, dass wir das ändern müssen, dass ein Ruck durch Deutschland gehen müsse etc. Und was machen wir? Wir geben alle vier Jahre den gleichen Gestalten unsere Stimme, die diesen Mist erst verbockt haben. Da ist der Deutsche konsequent. Das erinnert so ein bisschen an den Bauarbeiter, der sich in jeder Mittagspause beschwert: „Schon wieder Leberwurstbrot. Jeden Tag habe ich ein Leberwurstbrot in der Tüte. Ich hasse Leberwurst.“ Daraufhin rät ihm sein Kollege, er solle seiner Frau doch mal sagen, dass er gern etwas anderes auf dem Brot haben will. „Wieso meiner Frau? Ich mach mir das Brot doch jeden Morgen selber!“

Zurück zu meiner Kommilitonin. Ich schlug spaßeshalber mal vor, die Linken zu wählen und zu schauen, wie die ihre Ideen umsetzen und was da rauskommt. Schlimmer als die anderen kann man es ja nicht machen. Das war ein Fehler. Das Gesicht der Dame sackte zusammen und ihr Hirn wechselte in den politischen Korrekturmodus. Erst dachte ich, sie hätte einen Schlaganfall, aber es stellte sich heraus, dass mein Vorschlag in Politikergehirnen (ja, die gibt es!) eine Feedbackschleife auslöst und es schlagartig herunterfährt. Es kommen dann nur noch politische Angstvorstellungen und Totschlagargumente. Hier sind meine Top Drei.

1. Die wollen den Sozialismus
Ja, und? Man sollte besser aber genau lesen, was sie wollen: sie wollen den demokratischen Sozialismus. Auch die Linken müssen sich an die Verfassung halten und haben nicht die Macht diese oder die bestimmende Gesellschaftsform zu ändern. Das würde schon die Industrie gar nicht zulassen. Ergo auch unter den Linken wird es einen freien Markt geben.
Außerdem: Sehen wir uns das Wort Sozialismus mal genauer an. Darin steckt das Wort SOZIAL. In Bewerbungsgesprächen werden Sozialkompetenzen stellenweise höher gewertet als Fachkompetenzen, da diese oft noch im Rahmen der Arbeit erworben werden. Sozial bedeutet, dass der Mensch und der Umgang mit den Menschen im Vordergrund stehen. Das wollen wir von den Menschen, mit denen wir arbeiten, aber das wollen wir nicht von unserem politischen System? Schauen wir uns doch mal spaßeshalber das Wort Kapitalismus an … Aber nein, dank des Erben der DDR und SED, gepaart mit politischer Korrektheit ist der Sozialismus etwas Böses. Sozialisten, das sind ja praktisch kommunistische Nazis.

2. Alle LINKEN warn IM’s/in der Stasi/Todesschützen an der Berliner Mauer
Natürlich, besonders die heutigen 25jährigen der Linksjugend ‘solid waren als überzeugte 5jährige an der Mauer unterwegs und haben auf alles geschossen, was rein oder raus wollte und bespitzelten ihr Mitschüler bereits im Kindergarten. Der durchschnittliche Ausbildungsweg in der DDR war ja bekanntermaßen: Kinderkrippe, Stasi-Bootcamp, Kindergarten, Stasi-Bootcamp II – Auffrischungskurs, Grundschule, Stasi-Spitzel Grundmodul, Oberschule, Stasi-Spitzel Aufbau- und Vertiefungsmodul und anschließen Ausbildung zum Güllefahrer in der LPG Wolfen-Bitterfeld.

Mal ehrlich, wenn es bei den Linken vor alten Stasi-Kadern nur so wimmelt, warum sperrt man die nicht einfach ein? Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten: entweder haben sie Straftaten begangen, dann soll man sie bestrafen. Oder sie haben sich nichts zu Schulden kommen lassen, aber dann soll man sie behandeln wie man auch Mitglieder der FDP behandeln würde. Na gut, vielleicht besser, wie man geistig gesunde Menschen behandeln soll. In Dubio Pro Reo: In Zweifel für den Angeklagten.

3. Die Vorschläge der Linken sind unbezahlbar
OK, sie haben Vorschlage, die sich unsinnig anhören und nicht zu bezahlen sind: Bessere Gehälter und Ausbildung für soziale Berufe wie Altenpfleger und Kindergärtner zum Beispiel. Nein, bleiben wir bei der aktuellen Regierung, in der es passiert, dass in der Kleinstadt Büren, südwestlich von Paderborn, von Steuergeldern ein Alphornquartett finanziert wird, inklusive Anschaffung neuer Instrumente im Gesamtwert von 11 000 Euro. Für Alphörner, diese Instrumente, die wie Kühe mit Blähungen klingen. Wenn es denn in den Alpen wäre, aber nein, das „Konzert“ findet auf der spektakulären Höhe von 230m über Normalnull statt. Ich will nicht sagen, dass sowas unter den Linken nicht passiert, aber bevor wir uns über mögliche Steuerverschwendung aufregen, sollten wir uns doch erst mal den aktuellen zuwenden und verhindern, dass das Geld zum Fenster rausgeworfen wird.

Und wir reden jetzt mal nicht von den ganzen Reformen: alle paar Monate eine richtungsgebende Gesundheitsreform, Bildungsreform, Aufforstungsprogramme für die seit Jahrhunderten aussterbenden Deutschen… was da an Milliarden fließt und welchen Nutzen die Ausgaben haben, muss nochmal in aller Ruhe betrachtet und diskutiert werden. Im Grunde sind die Vorschläge der Sozialisten ein Schnäppchen gegen diese Schleudermaschine, die sich Biene Maja Koalition nennt. Zumal Mutti Merkel jedes Gesetz der Regierung als alternativlos raushaut, auch wenn das Gesetz selbst eine Alternative zu etablierten Regelungen darstellt. Nähme man nur man mal eine Alternative zu Merkel, dann wären wir die wenigstens los.

Ich möchte hier übrigens nicht zur Wahl der Linkspartei aufrufen. Jeder soll nach besten Wissen und Gewissen wählen. Aber: bevor ihr Propaganda, von welcher Seite auch immer nachplappert, schaltet Hirn ein und dazu ein Programm, das political correctness in klare Worte umwandelt.

Meine Kommilitonin ließ sich aber nicht überzeugen und leierte ihre Litanei weiter. Zu den bösen Linken kamen die verkörnerten Grünen, die korrupten Gelben, die inkompetenten Schwarzen mit und ohne Dialekt und natürlich auch die feigen Roten. Sie selbst war übrigens listenlos. Nach dem listreichen Gespräch war ich dagegen lustlos, mich weiter mit dieser Frau auseinanderzusetzen. Aber ich durfte ihr Programm kennenlernen: sie will sich dafür einsetzen, dass die verbale Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund aufhört. Türken soll man nicht mehr Türken nennen, weil das Wort Türke negativ konnotiert und rassistisch ist. Leider war das ihr ernst. Als ich sie fragte, wann die Wahl denn sei, sprudelte sie das Datum hervor. Ich ließ mir nochmal den Namen geben und ließ sie mit den Worten stehen: „Damit ich dir nicht aus Versehen meine Stimme gebe.“